Stellungnahme zum aktuellen Irak Konflikt

Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG),
Diözesanverband Trier

Sie scheint längst losgetreten, die Maschinerie, die letztlich in einen Krieg im Irak münden wird. Ohnmacht befällt viele angesichts der Bilder vom Aufmarsch der Truppen, angesichts der Aufrüstung mit Bomben, Bombern und Raketen und angesichts der Errichtung riesiger Camps für Kriegsflüchtlinge. Alles soll den Anschein erwecken, dass ein solcher militärischer Schlag berechenbar ist und letztlich einer guten Sache dient: der Befreiung des irakischen Volkes von der Geißel der Diktatur und der Befreiung der Weltgemeinschaft von der Bedrohung durch das irakische Zerstörungspotenzial. Vermeintlich immer neue Beweise - und wirken sie oft noch so undurchsichtig - werden der Öffentlichkeit präsentiert, um einen Militärangriff als sogenannten „Präventivkrieg“ zu rechtfertigen. Krieg kann niemals als „notwendige präventive Maßnahme“ gerechtfertigt werden. Wir unterstützen daher all diejenigen politischen Kräfte, die nach wie vor gewillt sind, eine nichtkriegerische Lösung des Irakkonfliktes zu suchen.

Gerade in diesen Tagen werden die Worte des Papstes und der Deutschen Bischöfe, unter ihnen auch Karl Kardinal Lehmann und unser Bischof Reinhard Marx, gegen einen Krieg im Irak immer mahnender und eindringlicher. In vielen Gemeinden und Städten treffen sich Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen und Gläubige anderer Religionen, um für die friedliche Lösung des Konfliktes zu beten. Am Samstag, dem 15. Februar 2003, sind Menschen in vielen Städten, vor allem in Berlin und Luxemburg, auf die Strassen und in die Kirchen gegangen, um deutliche Zeichen gegen einen Krieg zu setzen - mit ihnen fühlen wir uns verbunden.

Als Pfadfinderinnen und Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg im Diözesanverband Trier schließen wir uns der Auffassung an, dass Krieg weder ein Mittel ist, das der dauerhaften Befriedung des Nahen Ostens dient, noch der Verhinderung terroristischer Aggression. Vielmehr wird ein Krieg vor allem und zuerst zahlreiche Zivilopfer fordern.

Die direkten wie indirekten Auswirkungen, die Zerstörung von Heimat und die damit einhergehende Entwurzelung führen zu Radikalisierung und zu erneuten Aggressionen.

„Krieg ist nie ein unabwendbares Schicksal. Er ist immer eine Niederlage der Menschheit!“(Papst Johannes Paul II)

Wir sehen noch keineswegs die politischen Möglichkeiten zur Beilegung des Konfliktes als ausgeschöpft an: Es ist unsere Überzeugung, dass eine Vernichtung irakischer Massenvernichtungswaffen und Reformen zu Gunsten der Not leidenden Bevölkerung des Iraks am ehesten durch weitere Kontrollen durch UN-Inspektoren und dauerhaften diplomatischen Druck zu erreichen sind.

Als DPSGler sind wir Teil der weltweiten Pfadfinderbewegung. In besonderer Weise wirken wir daran mit, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Rahmen der pfadfinderischen Erziehung lernen, miteinander und mit verschiedenen Auffassungen umzugehen und auftretende Konflikte friedlich zu lösen. Durch internationale Begegnungen mit Pfadfindern anderer Sprachen und Kulturen ist die Chance gegeben, den eigenen Horizont zu weiten und die Andersartigkeit des Anderen begreifen und verstehen zu lernen. Die Erziehung zum Frieden nimmt in unserer pädagogischen Arbeit einen großen Stellenwert ein.

Deshalb ruft die Diözesanleitung Trier die Pfadfinderinnen und Pfadfinder, insbesondere die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter unseres Verbandes auf, sich mit der aktuellen Lage des Irak-Konfliktes auseinander zu setzen: Schafft in Euren Gruppenstunden den Raum, auf diese Entwicklungen einzugehen; helft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die oft gefühlte Ohnmacht und Sprachlosigkeit zu überwinden; lasst die Fragen, Sorgen und Ängste, die angesichts der Lage aufkommen, zu Wort kommen und setzt mit Euren Gruppen vor Ort Zeichen für den Frieden - sei es in einer Aktion auf einem öffentlichen Platz, in einer Gebetsstunde in der Kirche oder in einer anderen Art und Weise.

Als Beginn eines neuen Jahres feiern die in Anatolien und Mittelasien lebenden Türken und die Iraner am 22. März das „Nevruz-Fest“. Einer der Bräuche zu diesem Anlass ist das Binden der „Märzfäden“. Das sind weiße Stoffstücke, die an Bäume gebunden werden, damit diese im kommenden Jahr nicht wegen der Sonne austrocknen.

Wir laden euch ein, diesen Brauch zu Anlass zu nehmen, ein Zeichen unseres Willens zum Frieden zu setzen. Schreibt Eure Friedenswünsche auf weiße Tücher, auf Banner, Bettlaken und andere weiße Stofffetzen und hängt sie öffentlich aus, damit bald überall im Bistum Trier „Märzfäden“ als äußeres Zeichen des Friedens den Menschen ein Zeichen setzen.

Trier, 24. Februar 2003

Die DPSG - Diözesanleitung des Diözesanverbandes Trier

V.i.S.d.P Nicola Saccà, Diözesanvorsitzender DPSG Trier.


Folgende Direktzugriffstasten haben wir definiert

[Alt + 0] - zur www.dpsg-bezirk-sieg.de-Startseite
[Alt + 1] - zum Seitenanfang
[Alt + 8] - zum Inhalt der Seite
[Alt + 9] - zum Impressum