Deutschlandweite Onlineumfrage zum „Umgang mit Homosexualität in kath. Jugendverbänden“ startet!

Auf der Internetseite www.ralf1977.de ist vom 01.09.04 bis zum 31.10.04 eine Onlineumfrage zum „Umgang mit Homosexualität in katholischen Jugendverbänden“ zu finden. Zur Teilnahme eingeladen sind alle homo- oder bisexuelle JugendverbandlerInnen (oder Ehemalige) zwischen 15 und 30 Jahren. Die Umfrage ist natürlich anonym. 

Im Rahmen einer Diplomarbeit der FH Würzburg-Schweinfurt soll dieses schwierige und oft noch mit Tabus belegte Thema deutschlandweit erforscht werden. Für den Erfolg maßgeblich ist, dass möglichst viele junge Menschen sich beteiligen und mitmachen. Bitte unterstützt die Umfrage und nehmt teil, wenn ihr zur Zielgruppe gehört – oder gebt die Informationen entsprechend weiter. 

Im Mittelpunkt steht absichtlich die Sichtweise der betroffenen JugendverbandlerInnen, die bislang in der alltäglichen Arbeit der Jugendverbände nur selten wahrgenommen wurde. Die homo- oder bisexuellen Jugendlichen selbst sollen zu Wort kommen, ihre Interessen, Wünsche, Bedürfnisse und Erfahrungen sind das zentrale Thema. 

Der vielgehörte Satz „bei uns gibt es keine homosexuellen Jugendlichen“ sollte die Verantwortlichen in allen Bereichen aufhorchen lassen; denn natürlich gibt es sie überall, sie geben sich nur nicht zu erkennen und bleiben deshalb häufig mit ihren Fragen und Problemen allein. Von dem Wunsch, dass Heterosexualität und Homosexualität als Ausdruck menschlicher Liebes- und Lustfähigkeit gleichermaßen positiv bewertet wird und die Menschen in ihrer Verschiedenheit und Individualität geachtet werden, sind wir auch in der Jugendverbandsarbeit oftmals noch weit entfernt. Selbst aufgeschlossene PädagogInnen reagieren nicht selten hilflos, wenn sich plötzlich, meist durch Zufall, herausstellt, dass sie keineswegs einer homogenen Gruppe von Jugendlichen gegenüberstehen, sondern sich ein lesbisches Mädchen oder ein schwuler Junge darunter befindet. 

Von den Ergebnissen der Onlineumfrage verspricht sich der Student Ralf Sauer eine Analyse des Ist-Zustandes in den katholischen Jugendverbänden. Er will versuchen daraus Handlungsfelder aufzuzeigen, in denen die Jugendverbände hier in der Pflicht stehen. Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) kommt den Trägern freier Jugendhilfe, also auch den katholischen Jugendverbänden, die Aufgabe zu, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und dazu beizutragen, dass Benachteiligungen vermieden oder abgebaut werden. Hinsichtlich homo- und bisexueller Jugendlicher befinden wir uns hier erst noch am Anfang eines langen Weges, vermutet der Autor. Er wünscht sich, dass die Ergebnisse der Onlineumfrage von den Jugendverbänden aufgegriffen werden und dazu beitragen, dass das, was Heterosexuellen ganz normal erscheint, auch homo- und bisexuellen Jugendlichen selbstverständlicher wird: Christen zu sein, Partnerschaften verantwortlich zu leben, Verständnis und Toleranz zu erfahren und als vollwertige Mitglieder Kirche, Jugendverbände und Gesellschaft mitzugestalten. Anfeindungen, Diskriminierung und Ausgrenzung passen nicht in eine demokratische Gesellschaft. Das Ziel aller Verantwortlichen in den Jugendverbänden muss es deshalb sein, die offene Begegnung von Menschen mit verschiedenster sexueller Orientierung als Chance und Gewinn für alle zu sehen.


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