Weg des Friedens weitergehen

Neuss, 12. September 2001

Liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder,

die schrecklichen Ereignisse in den USA haben uns alle sehr getroffen. Uns allen ist sehr deutlich geworden, wie viele Dinge in unserem täglichen Arbeiten und Wirken eigentlich unwichtig sind. Sehr deutlich wurde uns bewusst, was zu den wesentlichen Dingen unseres Lebens gehört: Toleranz, Gerechtigkeit und Frieden - und zwar weltweit!

Als Pfadfinderinnen und Pfadfinder treten wir gemeinsam mit unseren Freundinnen und Freunden international für diese Werte ein. Wir alle wollen durch unsere engagierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an einer gerechten und friedvollen Welt mitbauen.

Und wir dürfen nicht mutlos werden, wenn Gewalt unsere Hoffnungen auf weltweiten Frieden und unser Streben nach weltweiter Gerechtigkeit beeinträchtigt. Gerade jetzt müssen wir unseren Stimmen Gehör verschaffen, müssen den Mut haben, unseren Weg konsequent weiterzugehen.

Sicherlich wisst ihr, dass zahlreiche öffentliche Veranstaltungen angesichts der Terrorakte abgesagt worden sind. In unseren Augen muss nicht jede Aktion in der DPSG, die mit viel Mühe und Aufwand vorbereitet worden ist, ebenfalls ausfallen. Wir wissen, dass ihr mit viel Fingerspitzengefühl an mögliche Veranstaltungen heran gehen werdet. Ermuntern möchten wir euch, Impulse zu setzen. Beispielweise durch Gedenkminuten oder durch die Texte "Anregungen zum Nach-denken".

Gut Pfad

Susanne Schad-Curtis
Bundesvorsitzende

Stephan Jentgens
Bundesvorsitzender

Guido Hügen
Bundeskurat

Anregungen zum Nachdenken

Spirale der Gewalt muss vermieden werden
12.09.2001

Folgende Stellungnahme haben die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), die Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) gemeinsam verabschiedet. Die Stellungnahme wurde einen Tag nach den schrecklichen Ereignissen Politikern und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern zugeschickt, darunter Bundeskanzler Schröder und die Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien.

"Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland auf die schrecklichen Terroranschläge in den USA reagiert. Als Teil einer internationalen Bewegung, die sich weltweit dem Frieden verpflichtet fühlt, sind wir zudem von großer Sorge und Angst erfüllt, wie die USA und ihre Partner auf den Terror reagieren werden.

Unser Mitgefühl gilt dem amerikanischen Volk und in besonderem Maße den Angehörigen der Opfer, gleichwohl wissend, dass auch wir uns angesichts des schrecklichen Ausmaßes dieser Terrorakte hilflos fühlen.

Wir unterstützen die Solidaritätsbekundungen der politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen in der Bundesrepublik. Eindringlich möchten wir jedoch an unsere Entscheidungsträger appellieren, alles in ihrer Macht stehende zu tun, damit aus Trauer und Wut nicht unbedachte und überstürzte Reaktionen resultieren. Wer auch immer für den Terror verantwortlich ist, muss nach rechtsstaatlichen Kriterien zur Rechenschaft gezogen werden. Verhängnisvoll wären jedoch Reaktionen, die zu einer weiteren Bedrohung des ohnehin gefährdeten Friedens weltweit führen würden. Unschuldige dürfen nicht in eine mögliche Spirale der Gewalt hineingezogen werden.

Auch unter dem Einfluss der schrecklichen Geschehnisse muss ein bedachtes Vorgehen, zu dem Sie beitragen können, oberste Priorität haben. Eine weltweite Solidarität gegen den Terror ist genauso gefordert, wie der politische Einsatz für Toleranz, Gerechtigkeit und Frieden in den Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt. Gerade Unrecht und Unterdrückung in Krisenregionen sind immer wieder Nährboden für Terrorismus. Die jüngste Geschichte zeigt, dass dieses Problem nicht militärisch zu lösen ist.

An Medien und Gesellschaft geht unsere eindringliche Bitte, pauschale Vorverurteilungen zu vermeiden. Der Fokus darf sich nicht undifferenziert auf die arabische Welt richten. Wir befürchten, dass daraus Feindbilder entstehen, unter denen auch Menschen arabischer Herkunft in der Bundesrepublik zu leiden haben. Ausdrücklich appellieren wir an Sie, schon ersten Tendenzen mit aller Macht geeignet zu begegnen.

Gerade hier in Deutschland, aber auch in Zusammenarbeit mit unseren Partnern weltweit, werden wir die uns mögliche Verantwortung für Toleranz, Gerechtigkeit und Frieden übernehmen. Als Kinder- und Jugendverbände mit insgesamt rund 200.000 Mitgliedern sehen wir eine große Verpflichtung darin, an einer weltweiten Gesellschaft mitzubauen, in der Kinder und Jugendliche zukünftig ohne Angst vor Kriegen, Terror und anderen Bedrohungen aufwachsen können."

Stellungnahme

weitere Informationen unter www.dpsg.de


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