Solidarität mit der Bevölkerung in Bolivien

In den letzten Tagen ist es in Bolivien zu immer mehr Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen. Auslöser ist dabei die kontroverse Diskussion über Gasexporte aus Bolivien über Chile in die USA. Einerseits will die Regierung von Gonzalo Sachez de Lozada mit den Erlösen die wirtschaftliche Lage des Landes verbessern, andererseits wird das Gas zu solch schlechten Bedingungen exportiert, dass die Bolivianier sich über den Tisch gezogen fühlen. Auf dem Hintergrund einer desolaten Wirtschaftlage und einer zum großen Teil verarmten Bevölkerung führte dieser als "Ausverkauf" empfundene Export zu Demonstrationen. In seiner Hilflosigkeit und ohne wirkliche Alternativen versuchte der bolivianische Staat diese Meinungsbekundungen mit Gewalt zu vertreiben was zu einer Eskalation der Lage geführt hat. 

Betrachtet man die Hintergründe der Situation, so kann man sagen, dass die konkreten Auswirkungen der Globalisierung und einer neoliberalen Weltwirtschaft auf das wirtschaftliche und politische Leben in Bolivien uns dieser Tage vor Augen geführt  wird .  Hierbei geht es nur um Gewinnmaximierung für wenige internationale Gesellschaften. Die Demonstrationen und Blockaden wollen verhindern, dass der reiche Westen nach Gold, Silber, Zinn und Kautschuk dem Land auch noch den letzten Rohstoff "Erdgas" stiehlt. Um nichts anderes handelt es sich, wenn weniger als 20% der Einnahmen Bolivien selbst zugute kommen. Und die Armut wächst: seit Jahren wird die Mehrheit der Menschen immer ärmer während eine mit den USA in Verbindung stehende Oberschicht sich bereichert.

Die Regierung weiß auf die steigende Kritik nicht anders als mit Gewalt zu reagieren, setzt Tränengas ein und schießt wahllos in die Menschengruppen. So ist in den letzten Tagen die Entwicklung mit mehr als 50 Toten und mehr als 100 Verletzten eskaliert. Eine Ausweitung der Auseinandersetzungen droht…

Wir, die DPSG Trier, sorgen uns insbesondere um unsere FreundInnen von der ASB in Cochabamba aber auch im ganzen Lande. Es geht uns zunächst um die Vermeidung weiteren Blutvergießens. Dazu soll der unten angefügte Aufruf zu Petitionen an die bolivianische Regierung mithelfen. Bitte schreibt auch ihr Mailings, um das wache Bewusstsein in Deutschland für undemokratisches Verhalten und dessen Beendigung zu dokumentieren.  Dazu gehört aber auch unser Gebet und das Denken an unsere Partner. Wenn möglich, schreibt ihnen über die Anteilnahme und Solidarität ihrer deutschen Partner (-stämme). Wir freuen uns in diesen Zusammenhang auch über die Initiativen unseres Bischofs Reinhard Marx, die unter www.bistum-trier.de nachgelesen werden können. Dort finden sich auch aktuelle Berichte aus Bolivien von Irene Tokarski, einer Mitarbeiterin der Bolivianischen Bischofskonferenz für den Entschuldungsprozess.

Mittelfristig bestärken uns diese Vorgänge auch im Sinne von dauerhaften Frieden, der nur durch weltweite Gerechtigkeit gelingen kann, weiter am Einsatz für eine gerechte Weltwirtschaft - auch wenn die Details zuweilen noch so schwierig erscheinen - zu arbeiten und für eine konsequente Entschuldung zugunsten der Armen einzutreten.

Construyamos juntos un mundo justo y humano - Lass uns gemeinsam an einer gerechten und humanen Welt bauen

Trier, 16.Oktober 2003
Nicola Saccà, Diözesanvorsitzender.
Oliver Grün und Beate Zwick aus dem Entwicklungspolitischen Arbeitskreis

Die Bolivianische Bischofskonferenz vom 13.10.03:

Angesichts der bedrückenden Situation im Partnerland Bolivien bitten wir Sie um Ihr Gebet:

Wir bitten Dich,
Gott des Lebens und des Friedens,
tröste die Familien,
die ihre geliebten Angehörigen verloren haben,
gib den Verletzten bald wieder ihre Gesundheit,
stärke in den Regierenden
und in den Führern der sozialen Gruppen
die menschlichen und christlichen Werte,
um einen Frieden aufzubauen,
der auf Gerechtigkeit und Solidarität gründet.
Amen..

Mittwoch, 15. Oktober 2003

Liebe Freunde,

Die Situation in Bolivien ist weiterhin sehr angespannt. Die Regierung hat sich auf eine harte, gewalttätige und vollkommen unnachgiebige Position eingefahren. Heute wurden Demonstrationen in Cochabamba sofort zerschlagen und unterdrückt. Gestern waren es mindestens 29 Tote in La Paz und El Alto.

Gestern hat der Präsident ein Interview auf CNN gegeben, die ihm «Exito» ("viel Erfolg") gewünscht haben. Ich weiß nicht, auf was sich das bezieht: auf mehr Gewalt, mehr Tote, mehr was?

Wir möchten Euch um Eure Mithilfe bitten, in dem wenigen, was man tun kann. Anbei senden wir Euch den Entwurf eines Briefes (auf Deutsch und Spanisch) an die bolivianische Regierung. Es ist ein Aufruf, der extremen Gewaltanwendung ein Ende zu setzen.

Wir möchten vor allem alle Gruppen, Organisationen, aber auch Einzelpersonen bitten, diesen Brief an die Adressen der Regierung (siehe unten) und in Kopie an verschiedene Medien im Land zu schicken, damit die Stimme aus den USA nicht die einzige bleibt, die sich hier Gehör verschafft. Uns ist natürlich klar, dass die Regierung hier sich nicht beeindrucken lassen wird, aber es ist ein wichtiges Zeichen der Solidarität - auch im Sinn unserer Bolivienpartnerschaft - für viele Menschen hier, wenn diese Botschaft über die Medien hier weitergegeben wird.

Michael Meyer, Partnerschaftskommission
Patricia Cuarita
Irene Tokarski

Manifestaciones no justifican violencia indiscrimindada

stamos sumamente preocupados por la convulsión social de los últimos días -inclusive semanas- en Bolivia, especialmente en las ciudades de La Paz y El Alto.

Entendemos que es tarea del Estado mantener el orden público, pero de ninguna manera el Gobierno, la policía y las fuerzas armadas pueden quitar a la población el derecho constitucional de manifestarse. Lamentamos los hechos de vandalismo, pero estos acontecimientos aislados no justifican de ninguna manera un uso indiscriminado de armas de guerra, quitando la vida a personas dentro de sus casas, inclusive a niños.

Un gobierno constitucional recibe este título por defender, vigilar, y proteger los derechos humanos garantizados en su misma Constitución. Hacemos un llamado urgente al gobierno boliviano, a las fuerzas armadas y la policía a cumplir con este deber. Recordamos que la vida humana es el valor más alto que deben proteger, sobre todo la vida de los más desprotegidos.!Matar a otros nunca puede ser una solución!

El saldo de, al menos, 54 víctimas mortales (de las cuales 53 son civiles) y cientos de heridos, la gran mayoría de ellos heridos por balas, en pocos días es una señal alarmante y clara de que las fuerzas del orden están excediendo la violencia, el uso de las armas, en lugar de atender y buscar vías de solución para las demandas sociales. La democracia no consiste en elecciones de un poder ejecutivo sin límites, no se basa solamente en la legalidad, sino en la legitimidad, en el respeto a cada uno de los ciudadanos de igual manera.

Lamentamos que las posiciones intransigentes, tanto del gobierno como de los sectores sociales, pero vemos que la excesiva violencia solamente está provocando cada día más resistencia y violencia en las mismas manifestaciones. Frente a este hecho la comunidad internacional y todas las personas de buena voluntad no se pueden quedar calladas.

¡Terminen con la violencia!

¡El gobierno boliviano tiene la obligación constitucional de abrir caminos del diálogo ya!

Demonstrationen rechtfertigen keine maßlose Gewalt

Wir sind höchst besorgt und entsetzt über die sozialen Aufstände der letzten Tage und sogar Wochen in Bolivien, besonders in den Städten La Paz und El Alto.

Wir verstehen es als die Aufgabe des Staates, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, aber keinesfalls darf die Staatsregierung, die Polizei und die Militärs den Bürgern das von der Verfassung garantierte Recht verweigern zu demonstrieren. Wir bedauern den Vandalismus zutiefst, aber diese einzelnen Vorkommnisse rechtfertigen in keinster Weise den maßlosen Gebrauch von Kriegswaffen, welcher das Leben von Personen sogar in ihren eigenen Häusern auslöscht, auch von Kindern. Eine verfassungsgemäße Regierung erhält diesen Titel, weil sie die von der selben Verfassung garantierten Menschenrechte verteidigt, sichert und schützt.

Wir richten einen dringenden Aufruf an die Bolivianische Regierung, an das Militär und die Polizei, dieser Pflicht nachkommen. Wir erinnern daran, dass das menschliche Leben das höchste Gut ist, das es zu schützen gilt, ganz besonders aber das Leben der wehrlosesten Menschen.

Die Zahl von mindestens 54 Toten (davon 53 Zivilpersonen) und Hunderte von Verletzten, die große Mehrheit unter ihnen Schussverletzte, ist ein alarmierendes und deutliches Zeichen dafür, dass die Sicherheitskräfte Gewalt mit Kriegswaffen ausüben, anstatt Lösungswege für die sozialen Fragen zu suchen.

Die Demokratie besteht nicht in der Wahl einer Staatsgewalt die dann ohne Einschränkungen walten kann, sie basiert nicht nur auf Legalität, sondern gründet auf der Legitimität, auf dem Respekt vor jedem einzelnen Staatsbürger in gleicher Weise.

Wir sehen, dass die unnachgiebigen Positionen auf Seiten der Regierung und der sozialen Gruppen und die übertriebene Gewalt jeden Tag mehr Widerstand und Gewalt in den Demonstrationen hervorrufen. Angesichts dieser Situation können weder die internationale Gemeinschaft noch Menschen guten Willens schweigen.

Beenden Sie die Gewalt!

Die bolivianische Regierung hat gemäss der Verfassung die Pflicht, sofort Wege des Dialogs zu schaffen!

Bitte verwenden Sie diesen Brief

Sie können den Text hier kopieren oder als [LINKWORD "Manifestaciones%20.doc|WORD-Dokument||28"] öffnen und in eine eMail kopieren. Die eMail schicken Sie bitte an folgende Adressen:

Ministerio de Información de la Presidencia: BITTE_ENTFERNENunicom@comunica.gov.bo
Vicepresidencia: BITTE_ENTFERNENcorreo@vicepres.gov.bo

Fax-Anschlüsse der Regierung von Bolivien werden noch ergänzt.
Kopien Ihrer eMail bitte an folgende Presse-Organe und Partner-Organisationen:


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