Neues von der Reise

Wo waren wir eigentlich genau? Will zumindest ich hinterher immer wissen. Darum habe ich fleißig mit meinem GPS-Receiver aufgezeichnet, wo wir hergefahren sind. Das Ergebnis ist in dieser Google-Earth-Datei zu finden.

Abflug

Freitag, 19.12.2008 12:00
Die meisten Teilnehmer sind überpünktlich da, schnell werden die letzten Gastgeschenke und Zeltmaterialien auf alle aufgeteilt und dann eingecheckt. Bis nach Sao Paolo haben wir auch schon die Sitzplätze fest, Gepäck sogar bis Santa Cruz gebucht. Mit eineinhalb Stunden Verspätungen fliegen wir dann Richtung Madrid los. Das Abenteuer hat begonnen.


Ankunft

Sonntag, 21.12.2008
nach zweieinhalb Tagen inklusiver einer Nacht im Distriktszentrum der Pfadfinder von Santa Cruz sind wir um 19:30 Ortszeit in Cochabamba angekommen. Alles hat gut geklappt, kein Gepäck fehlt und die Stimmung ist trotz der letzten 11 Stunden im Bus gut. Am Busterminal warten eine Riesenmenge bolivianischer Pfadfinder auf uns und begrüßen uns mit großem Hallo. Leider regnet es, aber schnell ist das Gepäck verladen und wir sitzen im Taxi zum Districtszentrum von Cochabamba.

Montag werden wir als erstes in Kleingruppen ein wenig die tolle Stadt Cochabamba erkunden, bevor es am Dienstag ein kleines soziales Projekt geben wird.

Viele Grüße aus Cochabamba / Bolivien wünschen die panamo! Rover


Wir in den News

Schon am Montag haben wir beim Mittagessen zufällig den Präsident der ASB, German Rocha, getroffen, der u.a. von einem "Reporter" begleitet wurde. So haben wir einen Artikel über die Ankunft der ersten Delegation in Bolivien bekommen.

Die ersten Tage

Wie schon geschrieben, sind wir am Montag zu Fuss in zwei Kleingruppen aufgebrochen, um die Innenstadt von Cochabamba zu erkunden. Plaza Principal, die Präfektur, Plaza Colon, die Kathedrale, das Stadion, das alte Postamt und ein Theater durften nicht fehlen.
Mittags haben wir uns im Restaurant Tunari getroffen und Pique Macho gegessen. Zufälligerweise war im gleichen Restaurant auch German Rocha mit Begleitern zu Gast und begrüßte uns nebst "Pressetermin" sehr freundlich.
Schwierig war für uns die Tatsache, dass um das Restaurant herum arme Menschen darauf warteten, von uns die Essensreste zu bekommen. Mütter mit Ihren Kindern, aber auch ein sauber gekleideter Mann, dem man auf den ersten Blick seine Armut nicht ansehen konnte. Schon schlimm, wie man sich durch Äußeres beeinflussen lässt.
Nach dem Essen sind wir zu einem ersten Besuch der Cancha aufgebrochen, ein riesiger Markt, auf dem es alles zu kaufen gibt. Nach einer knappen Stunde ging es weiter ins Nationalzentrum der ASB um kurz ins Organisationsbüro des Moot reinzuschauen und den Gedenkstein der 40 jährigen Partnerschaft ASB mit DPSG zu besichtigen. Dieser wurde im Jahr 2004 zusammen mit der damaligen Begegnungsreisegruppe feierlich enthüllt und ein Baum gepflanzt.

Am Dienstag hat uns ein Kleinbus abgeholt und wir sind zusammen mit einigen Bolivianern in das Dorf Tarata aufgebrochen, ein Dorf im Unesco Weltkulturerbe, welches zu grossen Teilen noch im Kolonialstil erhalten ist. Zu Fuss sind wir durch die Stadt und besuchten die Kirchen, den zentralen Platz, das dortige Kloster und eine kleine Manufaktur für Produkte aus Wolle.
Anschliessend fuhren wir noch in ein Keramikwerkstatt um uns zeigen zu lassen, wie hier noch von Hand Töpfe, Tassen, Teller und vieles mehr hergestellt wird. In Deutschland aufgrund des Personalaufwands nicht bezahlbar.
Auf der Heimfahrt sind wir noch beim Cristo de la Concordia vorbeigefahren, haben die Aussicht genossen, viele Bilder gemacht und verstanden, was das Tal Cochabamba in seiner Lage so besonders macht.
Zurück im Districtszentrum hat uns Raquel von Loyola das Bildungssystem Boliviens vorgestellt und seine Geschichte erläutert. Die anschliessende Diskussion zeigte Parallelen auf, aber auch deutliche Unterschiede

Heute, am Mittwoch, brechen wir nach unserer internen kleinen Weihnachtsfeier und einer offiziellen Weihnachtsfeier mit den Bolivianern auf, um Weihnachten in den Familien zu verbringen.
Gesundheitlich geht es uns allen gut. Keiner hat Probleme mit der Höhe und die Verdauung funktioniert auch noch leidlich gut.

Demnächst gibt es hier wieder mehr zu lesen, allerdings wahrscheinlich erst in einer Woche nach dem Moot.

Weihnachten

Draussen ist es hell und warm, überall blinken kitschige bunte Lichter und elektronische Ein-Ton-Weihnachtsmusik quietscht ins Ohr - Weihnachten in Südamerika. Wie in deutschen Familien wird in bolivianischen Familien Weihnachten unterschiedlich verbracht. Allen gemeinsam ist aber:

  • Weihnachten beginnt mit der "nocha buena" am 25.12. Punkt 000 mit Countdown im Radio, anstossen mit Sekt und ein paar Böllern
  • Weihnachten endet auch am 25.12, also kein zweiter Weihnachtstag
  • die ganze Familie kommt zusammen und wartet auf zwölf Uhr
  • Geschenke gibt es nur sehr wenige, die eigentlichen Geschenke kommen an Hl. drei Könige (was ja eigentlich auch richtiger ist, da die ja die "Geschenke" brachten und nicht Engel und Hirten)

Die Aufnahme in den Familien war herzlichst und die Erfahrungen vielfältig, doch nach zwei Nächten in den Familien brachen wir am 26.12. auf zum Moot nach Arani.

Zurück aus Arani

Wow! Was für ein Lager, was für ein Abenteuer.
Um alle wichtigen Erfahrungen hier aufzuschreiben fehlt mir die Zeit als auch der Platz!


Das Lagertor

Ein Blick von oben

Die Arena Central

Die Fahrt wurde in kleinen Bussen ab dem Nationalzentrum in Cochabamba organisiert. Gepäck oben auf das Dach gebunden und los ging es eine Stunde über holprige Strassen. Das Lagertor begrüsste uns freundlich und die 2.800m Höhe forderte ihren Tribut, mit Gepäck auf dem Rücken kamen wir ganz schön ausser Atem.

Wir wurden auf zwei Plätze aufgeteilt, was für uns schade war, für den Austausch mit anderen Nationen aber gut, da in diesen Subcampos auch gemeinsam gekocht wurde.

Typisch bolivianisch wurde in einem für uns Deutsche nicht erkennbaren System bis kurz vor der offiziellen Eröffnung noch gearbeitet und vorbereitet, z.B. am Dach der Arena Central geschweisst, Tücher aufgehangen usw. Im Laufe des Tages trudelten immer mehr Delegationen ein, bis schliesslich 1.500 Teilnehmer aus. z.B. Argentinien, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, Panama, Peru, Uruguay, Venezuela da waren. Ausserdem Gastdelegationen aus Finnland, Frankreich, Liechtenstein, Spanien und wir aus Deutschland. Ein riesen Fahnenmeer bei der Eröffnungsfeier, Lieder, Trommeln, Farben - Überwältigend!


Am Stand der Deutschen

Silvester in der Arena Central

im Jugendforum

Das Programm war straff geplant und nicht immer pünktlich, was aber an den Teilnahmern lag und nicht an der bolivianischen Organisation. Hygiene war für europäische Massstäbe am untersten Level und so mancher Magen beschwerte sich auch, aber wir haben alles überlebt.

Verrückt war auch der Tauschmarkt, hier wurde nach allem gefragt und alles wollte getauscht werden. Selbst einzelne Aufnäher auf unserer Kluft oder sogar die komplette Kluft wurden angefragt. Aber wir haben uns tapfer gewehrt und nur T-Shirts, Halstücher und Aufnäher getauscht.

Gegen die Kommunikation mit anderen Ländern konnten wir uns gar nicht wehren, da wir als Deutsche, und somit meistens blond und hellhäutig, besonders auffielen. Mit Händen und Füssen, auf Spanisch, Englisch, Französich und sogar Deutsch wurden viele Gespräche geführt und Freundschaften geknüpft.

Bei den Routen ging ein Teil unserer Gruppe auf den Berg Tunari bis auf 4.800m hoch, die anderen fuhren zum Schwitzen runter in den Dschungel in die Stadt Villa Tunari in die Chapare.


Prost Neujahr!

Silvester feierten wir gleich mehrmals. Um 1900 (000 in Europa) fielen wir Deutsche uns am hellen Tag das erste Mal um den Hals, dann ging es je nach Zeitzone der einzelnen Ländern weiter bis wir uns kurz vor zwölf gemeinsam in der Arena Central versammelten. Wieder Fahnen, Lieder, Emotionen!

Der Abschied von den neuen Freunden am letzten Tag fiel uns trotz Nieselregens schwer, dankbar und glücklich diese Begegnung erlebt haben zu dürfen. Wieder im Trockenen zu sein und eine warme Dusche lockte allerdings schon in Cochabamba und so verging die Rückfahrt wie im Flug.

Ach ja, für die jenigen, die es sich nicht vorstellen können: Diese eine Woche Moot mit lauter Rovern war komplett ohne Alkohol!

Heute Abend geht es los nach La Paz, daher werdet ihr hier erst wieder nach unserer Rückkehr von uns hören. Ein Teil der Gruppe ist losgezogen, um noch einmal auf die Cancha zu gehen oder sich mit ein paar Pfadis zu treffen, Wäsche wurde gewaschen und trocknet in der Sonne, die getauschten Souveniers werden verglichen und die besten Abenteuer ausgetauscht.

Noch fünf Tage in Bolivien, mal sehen, was noch alles kommt.

Copacabana und Lago Titikaka

Nein, was gibt es doch schöne Flecken Erde auf unserer Welt. Mit dem Nachtbus ging es mit acht bolivinischen Freunden nach La Paz und von dort über El Alto direkt weiter nach Copacabana. Den Höhenunterschied während der Reise (auf dem Weg nach La Paz bis zu 4.800m) und in Copacabana (3.830m) merkte der ein oder andere ziemlich heftig, aber recht schnell gewöhnten sich unser Kreislauf an den Unterschied.

Das Städtchen liegt malerisch an einer Bucht, rund 16km Luftlinie von der Isla del Sol entfernt. Unsere Gruppe teilte sich auf, die einen fuhren nach dem Mittagessen mit dem Boot weiter, um auf der Isla del Sol zu übernachten, die anderen zogen den Komfort des Hotels Ambassador vor und besichtigten daher die Stadt. Dazu gehörte auch der Kreuzweg auf dem Hausberg, der sich aufgrund der Steilheit und der Höhe als echte Herausforderung erwies. Dafür wurde die Anstrengung mit einer tollen Aussicht belohnt. Die Kirche nebst kleiner Kapelle sowie die Innenstadt durften bei der Besichtigung auch nicht fehlen.

Den nächsten Tag fuhr auch die zweite Gruppe zur Isla del Sol. Rund 1,5 Stunden mit dem Boot schaukelten wir zunächst an die Südspitze zu einer Treppe nebst eingefasster Quelle, die noch original aus der Inka-Zeit erhalten ist. Einen kleinen Abstecher zu einem Geocache später ging es mit dem Bötchen weiter zu den Resten eines Inka-Tempels. Auf dem Rückweg fuhren wir noch an einem schwimmenden Demo-Dorf vorbei, welches komplett aus Schilf gebaut wurde. Die gleiche Technologie verwendete Thor Heyerdahl bei seinem Schiff Ra II, mit der er 1970 den Atlantik überquerte. Den Abend schlossen wir mit einem Besuch in einer kleinen Bar, in der eine zwei-Mann-Combo mit Keyboard, Bongo und heißen Salsa-Rythmen karibische Stimmung aufkommen ließ.

Ein toller Abschluss!

La Paz

Zurück in La Paz hatte die Tante von Diego uns eine Unterkunft besorgt. Ein Pfadfinder oben aus El Alto hatte sich bereit erklärt, uns alle (21 Personen!) in seiner Wohnung nahe des Flughafens aufzunehmen. Unglaublich diese Gastfreundschaft!

Auch hier teilten wir uns wieder in zwei Gruppen auf. Eine fuhr ins Valle de La Luna, die anderen zur Stadtbesichtigung. Das Mondtal hat seinen Namen aufgrund der Gesteinsformationen, die aufgrund von Bodenerosion bizarre Formen angenommen haben. Faszierend das Spiel von Licht und Schatten und was die Phantasie daraus macht. Nach dem Abendessen ging es zurück nach El Alto um mit den Pfadfindern aus La Paz und drei Mexikanern, die Pedro noch zusätzlich zu uns aufgenommen hatte, über die Erlebnisse des Moot und der letzten Tage zu plaudern.

Der nächste Tag war auch gleichzeitig der letzte Tag in Bolivien. Morgens ging zunächst ein Teil der Gruppe ein Kinder-Krankenhaus in El Alto besichtigen. Unbegreiflich wie klein ein Krankenhaus für eine Millionen Menschen sein kann und unter welchen Bedingungen die Ärzte dort arbeiten - Riesenunterschied zu der Versorgung in Deutschland!

Danach ging es ins Coca-Museum. Traurig zu sehen, wie aus einer sinnvollen Pflanze mit wichtigen Eigenschaften aufgrund der Gier der "entwickelten" Länder diese so missbraucht wurde und bis heute so verteufelt wird, dass man einer Pflanze den Krieg erklärte. Selbst Siegmund Freud war hochgradig Kokainsüchtig.

Auch in dieser Stadt ist der Unterschied zwischen arm und reich ständig präsent. Auf der einen Seite teure Kleidung und technische Spielereien auf der anderen Seite bettelnde Kinder und alte Menschen, die Nüsse, Früchte oder Süßigkeiten verkauften. Manchen Schuhputzern schämen sich so für ihre Tätigkeit, dass sie komplett vermummt auf Arbeit warten. Die Stadt selbst wirkt mit ihrem ständigen Auf und Ab für viele hektisch und unruhiger als Cochabamba, vor allem auch, weil ständig der Rest der Stadt und auch El Alto oben sichtbar ist.

Den restlichen Abend verbrachten wir damit, uns mit Bildern der Reise und vielen Erzählungen von unseren alten und neuen Freunden zu veabschieden.

Die Rückkehr

Der Abschied am Flughafen von La Paz tat weh. Einige Tränen flossen, da wir alle wussten, dass ein schnelles Wiedersehen nicht zu erwarten war. Peter von der Reiseleitung bleibt noch zwei Wochen in Bolivien, um letzte Dinge zu klären und unseren Gastgebern zu danken.Ereignislos ging es dann mit dem Flugzeug über Santa Cruz nach Sao Paolo und dort fing das Unglück dann an. Unser Flug nach Madrid flog vier Stunden später ab, als in unserem Flugplan und dadurch verpassten wir unseren Anschlussflug nach Frankfurt. In Madrid konnte und wollte uns niemand weiterhelfen und erst recht hatte niemand von Iberia uns und viele andere Weiterreisenden am Gate erwartet oder etwas organisiert. Streik des Bodenpersonals und der Piloten, wie wir später erfuhren. Am Check-In-Schalter gelang es schließlich, uns auf den nächsten Flug umzuschreiben, doch Oh-Schreck, nur fünf von uns bekamen einen Platz. Der Rest stand auf Stand-By.

Da wir uns nicht anders zu helfen wussten und auch nichts mehr ändern konnten, flogen die ersten fünf (Max, Niclas, Kathi, Alexa und Andi) nach Frankfurt in der Erwartung, dass die restlichen sieben wie von Iberia versprochen in der nächsten Maschine um acht Uhr folgen würden. Doch es konnten nur vier mitfliegen, dann wurde dieser auf zehn verschoben und schließlich startete die Maschine doch nicht. Der Flug nach Düsseldorf für die drei anderen wurde auch gestrichen, so dass die sieben scheinbar in Madrid gestrandet waren. Zahlreiche Falschaussagen, Umbuchungen und Rennereien später (die Security Leute am Sicherheits Check lachten mittlerweile schon, wenn die sieben ankamen) kam schließlich die Gruppe um 04:30 in einer Ersatzmaschine unter und landeten Montag um 08:00 glücklich in Frankfurt, 18 Stunden später als geplant.

Das Gepäck ist allerdings bis jetzt noch in Madrid, bleibt spannend ob und wann wir dieses wiedersehen!

Fazit

Trotz Chaos beim Rückflug und Hygiene-Missstände beim Moot - wir sind überaus dankbar, dieses Abenteuer erlebt zu haben. Die Kontakte mit den Bolivianern während der Reise und mit den Rovern aus den Ländern Südamerikas während des Moots haben geprägt und die Sinne für die Unterschiede in unserer Welt geschärft. Auch wurden unsere zivilisierten Probleme relativiert und die wirklichen Probleme der Armut deutlich. Jeder der Teilnehmer wird damit anders umgehen und auf jeden wird das Erlebte anders wirken. Wie das sein wird, werden wir auf dem Nachtreffen im März feststellen.

Für die Gruppe
DER Herr Schmidt